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Osteopathie

Osteopathie - Wunderwaffe der Orthopädie?

 

Die Nase vorn durch Osteopathie. Die Osteopathie stellt sich in der Öffentlichkeit als äußerst effektive Therapieform dar, die wennschon kein Allheilmittel, dann doch allen anderen überlegen ist. Keine extrem langen Untersuchungen, keine Spritzen ins Pferdebein, also kein Unbehagen für den Pferdebesitzer. Keine Apparatemedizin. Selbst da. wo der praktische Tierarzt, ja sogar der auf Orthopädie spezialisierte Pferdetierarzt und die allermeisten Pferdekliniken passen müssen, nämlich in der Diagnostik von unklaren  Erkrankungen des Pferderückens, kommt der Osteopath, sieht, fühlt und renkt!

Ein klasse Gefühl für die Pferdebesitzer. Hat man doch gleich gewusst, was dem Pferd fehlt.

Durch Berichte in der Reiterpresse hat sich die Pferde-Osteopathie wie keine andere Behandlungsmethode in den letzten Jahren beim Pferd verbreitet. Kein größerer Reitstall, in dem nicht regelmäßig der „Einrenker“ erscheint. 

Dann sieht man Reiterinnen und ganz vereinzelt auch Reiter tiefgläubig den Worten der Menschen mit den heilenden Händen lauschen und das von ihnen gesagte gläubig in sich aufnehmen.

Es gibt aber auch die andere Fraktion, die die ganze Pferde-Osteopathie für baren Unsinn hält. 

Wer hat nun recht ist Osteopathie Scharlatanerie oder ernstzunehmende Wissenschaft? Was verspricht die Osteopathie, was kann sie halten.
Anatomie, Skelett 2

Das Skelett eines Pferdes. Hier lassen sich die Knochen wunderbar manipulieren. Skelette werden aber nur in Gespensterfilmen geritten!

 

In den letzten Jahren muss etwas Schreckliches mit den Pferden passiert sein. Bei über 90% der Pferde, die osteopathisch untersucht wurden ist das Becken schief, das Kreuzdarmbeingelenk und diverse Wirbel ausgerenkt und dazu  noch das ein oder andere Gelenke blockiert. 

Die Osteopathie versteht sich als eine Heilkunst also als Bestandteil der Medizin. In der Medizin bedeutet ausgerenkt, dass die Gelenkflächen eines Gelenkes nicht mehr in ihrer normalen Lage zueinander liegen. Dies ist eine Definition, die für jeden, der den Begriff verwendet, die gleiche Bedeutung hat. Bei einem ausgerenkten Gelenk sind Gelenkkapsel und Gelenkbänder zerrissen oder massiv überdehnt. Die Stabilität des Gelenks dahin.  Im Gelenk führt das zu Bluterguss, Entzündung und, im schlimmsten Fall zur Zerstörung des Gelenkes.

Am schlimmsten für das Pferd und jedes andere Wirbeltier sind ausgerenkte Wirbel. In den Wirbeln verläuft das Rückenmark, der zentrale Nervenstrang des Tieres. Druck auf das Rückenmark führt zum Funktionsverlust aller von den Nerven versorgten Muskeln. Ein ausgerenkter Halswirbel blockiert alle Nerven zu den Gliedmaßen. Das Pferd ist querschnittsgelähmt. Ausgerenkte Brustwirbel bewirken eine Lähmung der Hinterhand während die Blockade der Nerven im Lendenbereich zum Funktionsverlust von Schweif, Blase und Mastdarm führt. Ein Tier mit kaputtem Rückrat ist hilflos und dem Tod geweiht. Daher kommt der Spruch „Das hat ihm (ihr) das Rückrat gebrochen“  

Ausgerenkte Wirbel werden so häufig diagnostiziert, dass ich dieses massive Auftreten als „Equines Wirbelspringsyndrom“ bezeichne. Da in der Regel fast alle osteopathisch untersuchten Pferde eines Stalles betroffen sind muss das „Equine Wirbelspringsyndrom“ hoch ansteckend sein.

 

So weit, so einfach. Osteopathen, die behaupten, dass bei einem Pferd, das keine gravierenden neurologischen Ausfallserscheinungen zeigt, ein Wirbel ausgerenkt und ihn sofort einrenken, sind Scharlatane. Diese treffen allerdings auf Patientenbesitzer, die von den essentiellen Lebensfunktionen ihres Pferdes recht verschwommene Vorstellungen haben.

Dass solche Wirbeljongleure unseriös sind, ist für jeden, der sich ernsthaft mit der Anatomie, Physiologie und Biomechanik der Pferdewirbelsäule auseinandersetzt, offensichtlich.

Aber sind deshalb alle Pferde-Osteopathen abzulehnen?

 

In unserem tierlieben Land, das den Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert hat, darf jeder jedermanns Tiere behandeln, auch ohne jede Ausbildung.

Osteopathie und die Berufsbezeichnung „Osteopath“ sind keine gesetzlich geschützten Begriffe. Presseberichte, die bei der Leserschaft die Hoffnung auf wundersame Heilung bei steifen Bewegungen, Lahmheiten, Leistungstiefs und Verhaltensstörungen geweckt haben, rufen natürlich auch Menschen auf den Plan, die davon profitieren wollen.

 

Nun gibt es auch Osteopathen, die eine Zusatzbezeichnung führen, die zeigen soll, dass sie seriös ausgebildet sind.

Seit 1997 werden Osteopathen vom „Deutschen Institut für Pferdeosteopathie“ (DIPO) ausgebildet. Die dort ausgebildeten Pferde-Osteotherapeuten (den Begriff Osteopath will man hier nicht verwenden, weil er sich von Osteopathie = Knochenerkrankung, ableitet) erhalten einen Ausweis und dürfen die Zusatzbezeichnung DIPO führen.

Nun hier gibt es also eine Schule. Die Leiterin und Gründerin des DIPO, Frau Beatrix Schulte-Wien ist ausgebildete ist ausgebildete Krankengymnastin (für Menschen), hat also eine seriöse Ausbildung. Und sie schreibt Bücher.

Eines Schule ist so gut wie ihre Lehrer. Dank der Bücher liegt ein Teil dessen was gelehrt wird schriftlich vor. Jeder, der will, kann das hier gesagte mit anderen Quellen vergleichen.

Korrekterweise sagt sie, dass die Gelenke, die untersucht und behandelt werden, nicht wirklich ausgerenkt sind. Nur wenige Seiten weiter heißt es dann aber schon wieder: “Sowohl Pferde-Osteotherapeuten als auch Chiropraktiker renken Gelenke ein.“

„Für die Biomechanik, die Grundlage der Osteopathie werden dagegen außer dem genauen anatomischen, physiologischen und neurologischen Wissen und dem Einsatz er gefühlvollen Hand keine Hilfsmittel benötigt“. Frau Schulte-Wien postuliert, dass die Wirksamkeit der Osteopathie keine Glaubenssache ist, sondern auf genauen Kenntnissen anatomischer Zusammenhänge beruht.

Und hier sieht es nicht allzu gut aus.

Die im Buch beschriebene Anatomie der Pferdebeine weicht etwas vom Realen ab. Als Feinmechaniker des Pferdekörpers sollte man die Grobmechanik beherrschen. Die Mechanik ist ein Teil der Physik, also Naturwissenschaft. Die Hebelgesetze werden in dem Buch recht eigenwillig interpretiert. Ein Hebel ist etwas starres, der Pferdeschweif kann kein Hebel sein.

„Kritiker bezweifeln immer wieder, dass man Wirbelgelenke beim Pferd manipulieren kann. Sie meinen, man komme gar nicht an diese Strukturen heran. Ich habe die Dornfortsätze an meinem Pferdeskelett nachgemessen. Im Bereich des Widerristes sind sie 22 cm lang. Es ist also der Phantasie des Lesers überlassen sich vorzustellen wie stark der Bewegungsausschlag z. B. an den Wirbel- bzw. Rippengelenken ist, wenn die Dornfortsätze an ihren Enden nur wenige Millimeter bewegt werden.“ (B. Schulte-Wien, Osteopathie, S. 32)

Dieser Sichtweise fehlt es erheblich an Ganzheitlichkeit! Am klapprigen Skelett kann ich den Wirbel bewegen, am lebenden aber Pferd liegen ganz andere Verhältnisse vor.

Wirbel, BWS

Die langen Dornfortsätze der ersten Brustwirbel bilden den Widerist des Pferdes.

Am Skelett habe scheint die Aussage von Frau Schulte Wien logisch zusein

Widerrist, Nativpräparat2

An der Pferdehälte sieht man, dass jeder Dornfortsatz (im Bild rot!) durch massive Bänderplatten und Muskeln lückenlos mit seinen Nachbarn verbunden ist. Durch den Verbund entsteht eine sehr hohe Stabilität.

In einem solchen Verbundsystem ist die Manipulation eines einzelnen Wirbels durch den Menschen völlig unmöglich!!

Auch den Dornfortsätzen liegt die Widerristkappe des Nackenbandes, das in das Rückenband übergeht. Dieser Bandapparat ist ab dem 4. Brustwirbel an den Dornfortsätzen der einzelnen Wirbel angeheftet. Zwischen den Dornfortsätzen der Brustwirbel am Widerrist verlaufen auf der ganzen Länge die Ligamenta interspinalia, das sind die Bänder, die die Dornförtsätze auf der ganzen Länge verbinden. An den Wirbelbögen verbinden die Zwischenbogenbänder die Wirbel miteinander. Auf dem Boden des Wirbelkanals verläuft ein Band von den Brustwirbeln bis zur Lendenwirbelsäule ein Band, das mit den Wirbelkörpern und den Bandscheiben verbunden ist. Um die Wirbelsäule weiter zu stabilisieren verläuft an der Unterseite der Wirbel auf der gleichen Strecke noch ein weiteres Band, das wieder mit den Wirbelknochen und den Bandscheiben verbunden ist. So entsteht ein Verbundsystem aus Knochen und Bändern, das im Bereich der Brust und Lendenwirbel ist so stabil, dass es kein Mensch zerreist! Versucht man einen einzelnen Brustwirbel an seinem langen Dorn seitwärts zu bewegen, wird die Kraft die man ausübt über die Bänder auf die benachbarten Brustwirbel übertragen. Die Manipulation eines einzelnen Wirbels ist allein schon durch die Bänder unmöglich. Aber das Pferd besteht nicht nur aus Knochen und Bändern. Zwischen den Schulterblättern ist kein freier Raum in dem sich die Wirbel ungehindert bewegen können. Hier liegen Muskeln mit Allem was dazugehört. Mit einem Hebel kann man seine Kraft ungeheuer verstärken. Aber was nützt der schönste Hebel, wenn er sich nicht frei bewegen lässt?

 

Digitalbild Widerristregion Nativpräparat

 

Dazu kommt noch der Brustkorb, der in seiner Ganzheit extrem stabil ist und die Seitwärtsrotation der Wirbel noch weiter beeinträchtigt. Sie können in Zukunft also ohne schlechtes Gewissen wieder ihren Steigbügel als Aufsteighilfe benutzen. Durch die beim Aufsteigen über den Sattelbaum einseitig einwirkenden Kräfte wird nichts ausgerenkt!

Auch die Lendenwirbel sind durch Bänder straff verbunden. In diesem Bereich sind die Bänder unelastisch. Die Gelenke zwischen den  Lendenwirbeln sind so ausgelegt, dass die Lendenwirbelsäule des Pferdes ist nur wenig beweglich ist. Da die Lendenwirbelsäule den Schub aus der Hinterhand nach vorn übertragen muss ist sie extrem stabil.

 

Digitalbild Kreuzdarmbeingelenk, Grafik Lendenwirbel beim Pferd

 

Aber gerade in der beim Pferd besonders stabilen lumbosakralen Region des Pferdes finden die Pferde-Osteotherapeuten die meisten Veränderungen. Woher kommt dieser Widerspruch?

Es liegt an dem Hauptproblem, das der Mensch im Umgang mit dem Pferd hat. Er vermenschlicht das Pferd. Und beim den Menschen in wohlhabenden Ländern nehmen Rückenprobleme wegen Bewegungsmangel und Übergewicht dramatisch zu. Beim Menschen ist tatsächlich die Region zwischen L4und S1 die Hauptproblemzone der Wirbelsäule. 

Die Einklemmung der Nerven zwischen L5-S1, der so genannte Hexenschuss macht auch den stärksten Menschen hilflos. Die Ursache der extrem schmerzhaften Erkrankung ist ein Vorfall der Bandscheiben.

Beim Menschen ist die Verbindung zwischen dem letzen Lendenwirbel und dem Kreuzbein der Punkt, an dem die Wirbelsäule vertikal abknickt anstatt wie beim Pferd und anderen „Vierbeinern“ den Rumpf horizontal zu überspannen. Und genau an diesem (Knick-)Punkt erreicht die Belastung der Wirbelsäule ihren Höhepunkt. Abgepolstert wird die Verbindung von einer keilförmig eingequetschten Struktur, der lumbosakralen Bandscheibe. Die Evolution ist noch nicht so weit, dass diese Struktur den enormen Belastungen, die der aufrechte Gang an dieser Stelle erzeugt, dauerhaft widerstehen kann.

Mehr als 60% der Bandscheibenschmerzen haben ihre Ursache im Bereich von L4- L5  und L5-S1.

 

Digitalbild Mensch, Scann Skelett Mensch

 Skelett, Mensch 1

Das Problem kommt vor allem durch den aufrechten Gang des Menschen. Bei der Wirbelsäule ist der Mensch durch seinen aufrechten Gang ein Sonderfall der Natur.   

Bandscheibenvorfälle gibt es auch beim Pferd. Allerdings sehr viel seltener als beim Menschen.  Wenn beim Pferd Bandscheiben erkranken, dann die zwischen den gut beweglichen Halswirbeln und den ersten Brustwirbeln. Im Kreuzdarmbeinbereich sind sie extrem selten!

War früher das Becken eines Pferdes ein extrem widerstandsfähiges Gebilde aus starken Knochen und Bändern, das den enormen Kräften der daran ansetzenden Muskulatur widerstehen konnte, so sollen die heutigen Pferde so labil sein, dass selbst zarteste Menschen mit strammem Auftreten dieses Skelettteil hin und her biegen können.

Auch die Equine Beckenschiefe tritt in der Regel als Bestandserkrankung auf. Innerhalb kürzester zeit hat IBS (Infektiöse Beckenschiefe) über ganz Deutschland ausgebreitet. Die Ursache muss also hochinfektiös sein.

Konnte früher die Hinterhand eines Pferdes beim Angaloppieren Kräfte entwickeln, die jedem Motor überlegen waren, und diese über das Becken, das Kreuzdarmbeingelenk und die Wirbelsäule auf die Vorhand übertragen, scheint dies heute nicht mehr möglich zu sein.

War das Kreuzdarmbeingelenk früher ein unbewegliches Gelenk, bei dem das Kreuzbein durch sehr starken Bändern mit dem Darmbein verbunden war, so scheinen viele Pferde heute an Stelle der von der Natur vorgesehenen starken, belastbaren Verbindung zwischen den Knochen einen billigen Klettverschluss miserabelster Qualität zu besitzen! Dieses lottrige Ding springt ständig auf. Zum Glück kann es durch fachmännische Griffe rasch wieder angedrückt werden. Aber diese Eingriffe sind lästig und teuer.

Krezudarmbeingelenk von unten

Unbeschwertes Reiten ade!

Entschuldigung, aber was in dem Buch Osteopathie über schiefe Becken, Beckenverwringung und sich absenkende und verdrehende Kreuzbeine und deren Korrektur steht, hat mit der Natur dieser Strukturen nichts zu tun! Um 30 cm verwrungene Becken (mündliche Überlieferung, der schriftlich vorliegende Rekord liegt bei „nur“ 20 cm) sind so real wie das gefährliche Dschungelcamp bei RTL.

 

„Osteopathen untersuchen und behandeln die Auswirkungen von Bewegungseinschränkungen, die durch Körperstrukturen bzw. deren Veränderungen wie Narben, Bänder- und Gelenksverklebungen, Gelenkverschleiß, Gelenkblockierungen, Muskelverkürzungen und Muskelverspannungen hervorgerufen wurden.“

Reale Verklebungen bestehen aus Gewebe, das durch Reaktionen auf Entzündung gebildet wird. Hat sich viel von diesem Gewebe im Fesselgelenk gebildet, kann es da es Raum wegnimmt zu Bewegungseinschränkungen führen. Dem Osteopathen oder Osteotherapeuten, ist es also möglich dieses Gewebe durch die Manipulation seiner heilenden Hände in nichts aufzulösen? Werden Verklebungen in Gelenken einfach nur zerrissen, ohne dass das zugebildete Gewebe entfernt wird, reagiert der Körper mit einer neuen Entzündung es bildet sich noch mehr Gewebe. Und dadurch soll das Gelenk beweglicher werden. Oder war die Verklebung nur ein Märchen. Spielt es denn gar keine Rolle, warum ein Gelenk blockiert ist? Wird eine Tür durch einen Keil blockiert, kann ich um durchzukommen, den Keil entfernen oder die Tür eintreten.

Was passiert, wenn der Osteopath ein Gelenk mit Keil, einen Knochenchip, manipuliert ohne sich um die Ursache zu kümmern? Es passiert das gleiche wie mit der Tür. Wird die Ursache der Blockade nicht entfernt, wird das Gelenk zerstört. Auch die Versprechungen Sehnenverklebungen, Fesselringband- und Karpaltunnelsyndrom durch einfache Manipulationen zu lösen gehören leider in das Reich der Märchen. Viel zu schön um wahr zu sein. Von Seriosität keine Spur.

In Deutschland darf nicht nur jeder jedermanns Tiere behandeln, mehr noch, er darf auch ohne Kontrolle Schulen für die Ausbildung von Tiertherapeuten eröffnen. Selbstverständlich darf eine solche Schule auch Diplome ausstellen und ihre Absolventen mit Ausweisen versehen.  

Der Spruch, „Aber die Osteopathie kann doch nicht schaden“ ist leider auch nicht real. Dem Osteopathen steht die Hand als diagnostisches Instrument zur Verfügung, dem orthopädisch arbeitendem Tierarzt aber auch. Das an den tierärztlichen Hochschulen vermittelte Wissen über den Aufbau der Tiere (Anatomie) und die normalen (Physiologie) aber auch der krankhaften Vorgänge im Pferdkörper (Pathologie) gehen doch sehr weit über das hinaus, was in dem Buch dargestellt wird. Zum Studium gehört auch Physik. Der Tierarzt muss die Gesetze der Mechanik kennen.  

Reicht die Hand nicht aus stehen dem Orthopäden noch eine ganze Reihe weiter Untersuchungsmethoden zur Verfügung um den Schmerz zu lokalisieren. Ist der Schmerzpunkt oder oft auch die Schmerzpunkte lokalisiert, kann der Bereich mit immer besser werdenden bildgebenden Verfahren untersucht werden. In der ambulanten Praxis ist die Diagnose von Rückenerkrankungen nur in ganz offensichtlichen Fällen möglich. Aber dann steht hinter dem ambulanten Orthopäden immer noch die Pferdeklinik. Leider sind nur wenige Pferdekliniken in der Lage und bereit eine konsequente Rückendiagnostik durchzuführen.  

Aber wozu der ganze Aufwand, wenn der Pferde-Osteotherapeuth für die Diagnose und Therapie nur die Hand braucht und alles an Ort und Stelle erledigt. Denn hinter dem Osteopathen steht etwas das für viele viel wichtiger ist, der Glauben

Heilen ist eine Kunst. Ganz wesentlich für die Heilung einer Erkrankung ist es, dass sich der Kranke auch helfen lassen will. Das Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist ganz entscheidend für den Erfolg. Medizin ist mehr als die Anwendung bestimmter Techniken, auch wenn sie noch so aufwendig sind, und von chemischen Präparaten. Heilen ist eine Kunst. Wenn es nicht dem Arzt nicht gelingt, dem Patienten das Gefühl zu vermitteln, dass ihm geholfen wird, wird die ganze Therapie, gleich welcher Art keinen Erfolg haben. Es ist bewiesen, dass beim Menschen allein der Glaube, dass er am Knie operiert wurde zu besseren Erfolgen geführt hat als die tatsächlich durchgeführte Operation. Zuckerpillen am besten farbig und vom Chefarzt verabreicht sind bei psychosomatischen Erkrankungen oft genau so wirkungsvoll oder noch besser als „chemische Bomben“ ohne deren Nebenwirkungen zu haben. Ohne gesunden Geist gibt es keinen gesunden Körper. Wenn es dem Therapeuten gelingt seinen Patienten so umzustellen, dass er gesünder lebt und sich psychisch wohl fühlt, wird er seine Selbstheilungskräfte aktivieren, die dann die Heilung bewirken.

Genau das sagt Beatrix Schulte Wien in ihrem Buch Osteopathie auch. Liegen wir also auf einer Wellenlänge? Warum dann die kritischen oder sogar bösartigen Bemerkungen über Pferdeosteopathie?

 

Wer heilt hat recht! Können die vielen von der Pferde-Osteopathie begeisterten Pferdebesitzer irren?

Ob das Pferd osteopathisch behandelt wird entscheidet nicht das Pferd, sondern sein Besitzer. Und das „Krachen“ der zurückspringenden Wirbel kommt nicht aus der Wirbelsäule sondern entsteht in der Einbildung des Besitzers. Auch die prompten Heilerfolge spielen sich im Bewusstsein des Auftragsgebers und nicht im Pferd ab. „Indirekter Placeboeffekt“ ist der Name für das Phänomen. „Die Menschen glauben gern, was sie wünschen“ sagte schon Julius Cäsar. Und sie bezahlen gern für Illusionen. Bei dem sicheren Auftreten der Osteotherpeuten und bei den Preisen für diese Auftritte traut sich kaum einer zu sagen, die Therapie hat nichts gebracht. Wenn 20 Begeisterte die neuen Kleider des Kaisers in den höchsten Tönen loben gehört eine ganze Menge Mut dazu zu sagen: „Aber der Kaiser ist doch splitternackt!“

Für Irrglauben in der Pferdehaltung müssen leider die Pferde den höchsten Preis, Gesundheit oder gar das Leben, bezahlen.

 

„Natur“, „Bio“ und „ganzheitlich“ sind die Begriffe, die gerade von denen, die sich hartnäckig weigern, die Gesetze der Natur zu lernen, häufig missbraucht werden.

 

Im Umgang des Menschen mit dem Pferd spielen Blockaden allerdings eine wichtige und sehr reale Rolle. Diese müssen, zum Wohl des Pferdes, unbedingt beseitigt werden.

Also weg mit dem Pisa Block! Lassen sie reales Wissen über die wirklichen Bedürfnisse des Pferdes an sich heran. Lassen sie ihr Pferd endlich Pferd sein. Nur wenn sie wissen, was ein Pferd wirklich braucht, wird es gesund oder noch besser gar nicht erst krank.

Auch wenn die ganze Hühnerherde im Chatroom, früher nannte man diesen Reiterstübchen,  beim Auftauchen eines Erlösers aufgeregt gackert, gebrauchen sie ihr Gehirn. Bilden sie sich eine eigene Meinung. Dies ist leider nur möglich, wenn Wissen vorhanden ist!

Es gibt aber kein Gesetz, das es verbietet auch im Alter noch zu lernen.

Das notwendige Wissen über Haltung, Fütterung, Training, Hufpflege und die Möglichkeiten Erkrankungen zu vermeiden, würden den Pferden ein gesünderes und viel längeres Leben bescheren. Weder Liebe noch Wunderglaube kann dieses Wissen ersetzen. Sie können ja auch nicht aus Liebe zu ihrem Auto und im Vertrauen auf den großen Geist, der schon alles lenken wird die Verkehrsregeln ignorieren.

 

Aber wir leben in einer Bluff Gesellschaft. Der Schein ist heute viel viel wichtiger als das sein. Der Neue Markt hat bewiesen wie mit konsequentem Auftreten und gegen jede wirtschaftliche Vernunft  Billionen von Euro locker gemacht und vernichtet werden könne.

 

Unserem Land fehlen Menschen die sich trauen nicht des Kaisers neue Kleider zu bewundern, sondern das zu sagen was sie sehen, nämlich das der Kaiser splitternackt ist.

 

Meine Leidenschaft liegt in der Pferdeorthopädie. Auch ich bin der  Meinung, dass eine neue Ausrichtung der Pferdorthopädie notwendig ist. Es ist gut, dass auch in der Pferdemedizin die neuesten Diagnostikverfahren Einzug halten. So wird es möglich immer genauere Diagnosen zu stellen.

Aber da gerade in der Orthopädie viele Krankheiten nur zu lindern, aber nicht zu heilen sind, muss sich die Orthopädie viel mehr, als es jetzt der Fall ist, mit der Vermeidung von Erkrankungen des Bewegungsapparates befassen.

Ich bin praktischer Tierarzt. Nach unserer Berufsordung ist der Tierarzt dazu berufen Leiden der Tiere zu heilen, zu lindern und (meiner Meinung nach das Allerhöchste Ziel) zu vermeiden.

Vom psychosozialen Wohlbefinden des Pferdebesitzers steht in der Berufs- und Standesordnung nichts. Und genau hier liegt das Problem. Wie glücklich wäre ich, wenn mein Auftraggeber, wie beim Humanmediziner, der Patient, also das Pferd wäre. Aber dieses wird gar nicht erst gefragt. Vom Tag der Geburt an wird dem Pferd alles, was für das Leben und die Gesundheit des Pferdes wichtig ist vom Menschen bestimmt. Glücklich ist dabei das Pferd, dessen Halter sich ehrlich darum bemüht den Bedürfnissen des Pferdes gerecht zu werden.

Von diesen, für den Menschen oft äußerst unbequemen Forderungen glauben sich viele loskaufen zu können. Hier hilft die Osteopahtie!