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Mensch und Pferd

Pferdeverhalten

 

Für ein gutes Miteinander

 

Pferde sind auf Grund ihrer Größe, ihrer Stärke und ihrer Geschwindigkeit potentiell gefährlich. Auf Grund ihrer Entwicklungsgeschichte als Beutetier haben sie gelernt, sich gegen gefährliche oder unangenehme Ereignisse durch Schlagen mit den Hufen, Beißen oder Überrennen der Bedrohung zu wehren. Diese angeborenen Verhaltensweisen werden auch im Umgang mit Artgenossen gezeigt. Gefährlich wird es wenn das Pferd mit dem Menschen in der gleichen Art umgeht oder wenn Verhaltensmuster wie sie in der Natur zur Abwehr von Raubtieren dienen, gegen den Menschen eingesetzt werden.

Pferden wohnt aber ein ungeheurer Reichtum an erblich gesteuerten Entwicklungsmöglichkeiten inne, die unter der Obhut des Menschen in Bahnen gelenkt werden, die dem Menschen Nutzen bringt und besondere Freude bereitet.

Ob der Umgang mit dem Pferd für die Beteiligten Gefahren birgt oder Freude bringt hängt ganz wesentlich von den Fähigkeiten der Menschen ab, die die Pferde halten. Es liegt am Menschen, ob er die Lernfähigkeit des Pferdes zu seinen Gunsten ausnutzen kann und ob ihn die Pferde als Bedrohung oder als freundliches Lebewesen betrachten.

 

In aller Regel werden in Deutschland die Zuchtpferde überwacht. Der erste Kontakt des neugeborenen Fohlens mit dem Menschen findet oft schon am Tag der Geburt statt. Die Prägung des Fohlens soll in den ersten 48 Stunden des Lebens erfolgen. Genauso wie ein Fohlen sofort lernen kann sich gegen den Menschen zu wehren, kann es lernen, sich an Zwänge zu ertragen ohne sich zu wehren.  In den USA sind wahre Trainingsprogramme für die Phase der Prägung entwickelt worden  (Imprint training), die aus den Fohlen ein Leben lang unkomplizierte menschenbezogene Pferde machen sollen. Vergleichende Studien haben ergeben, dass es sich günstig auf die spätere Umgänglichkeit des Pferdes auswirkt, wenn sich der Halter mit dem Fohlen beschäftigt. Allerdings sollte man nicht übertreiben. Simpson (2000) verglich die Reaktion von 25 Fohlen, die 2, 12, 24 und 48 Stunden nach der Geburt einem Training unterzogen wurden mit anderen 22 Fohlen. Durch die Prägung ( Imprinting) auf den Menschen sollten die Pferde später einfacher zu handhaben sein. In den folgenden Monaten wurde die Reaktion auf Trainingsreize der „trainierten“ mit der der untrainierten verglichen. In den ersten zwei Monaten bewältigten die trainierten Fohlen die Aufgaben schneller, ab dem dritten Monat waren keine Unterschiede mehr vorhanden. Nachdem schon diese Studie die Zweifel daran bestärkte, dass früher intensiver Umgang mit dem Fohlen das Pferd menschenbezogener und umgänglicher macht, konnte in einer weiteren Studie gezeigt werden, dass die Akzeptanz von für die Hufpflege und tierärztliche Behandlungen notwendigen Handlungen durch das intensive Training nach der Geburt nicht verbessert wurde.

Die Prägung verläuft beim Fohlen viel komplizierter als bei den Graugänsen, mit denen Konrad Lorenz gearbeitet hat. Das „Imprint-Training“ bewirkt keine echte Prägung. Echte Prägung ist irreversibel und hält ein Leben lang.

 

Trotzdem können die ersten Erfahrungen mit dem Menschen zusammen mit dem Temperament des Pferdes entscheidend dafür sein, wie der zukünftigste Umgang mit dem Menschen, gleichgültig ob Reiter, Hufschmied oder Tierarzt, verlaufen wird.

Einfühlsamkeit und Gespür für das Pferd sind die Kardinal-Punkte für gute Horsemanship. Ängstliche junge Pferde, die noch keine Erfahrung mit dem Menschen gemacht haben, erfordern das größte Einfühlungsvermögen. 

Fixiert man ein Pferd mit den Augen und geht dann schnell und direkt auf es zu, verhält man sich genaue wie ein Raubtier das Beute machen will. Warum sollte das Fohlen warten bis wir es erwischen?

Der Umgang mit dem Pferd muss ruhig sein. Wer mit Pferden umgeht muss wissen welches Verhalten für das Pferd bedrohlich ist. Schnelle, hastige Bewegungen müssen vermieden werden.

Korrekter Umgang mit dem Pferd schafft Vertrauen und ermöglicht Lernen.

Die meisten Pferde sind, wenn man anfängt mit ihnen zu arbeiten ängstlich und versuchen dem Menschen auszuweichen. Nur selten werden sie aggressiv.

Die Arbeit mit einem rohen Pferd wird erleichtert, wenn man nicht allein mit ihm arbeitet. Ein fohlen ist in Gegenwart der Stute ruhiger. Ein ruhiges bereits ausgebildetes Pferd, im Idealfall ist dies ein vertrautes Pferd aus der Herde, das in der Rangfolge über dem rohen Pferd steht, gibt einem jungen Pferd zu Beginn der Ausbildung Sicherheit.

 

Um das Risiko im Umgang mit Pferden möglichst gering zu halten, sollten beim Arbeiten mit Pferden nicht mehr Personen als notwendig im Stall sein. Die Räume und die Plätze wo mit den Pferden gearbeitet wird müssen zweckmäßig angelegt und für Mensch und Pferd sicher sein. Dies gilt auch für die Hilfsmittel.

 

Da bei der Ausbildung von Pferden in der Regel Druck ausgeübt wird ist es für den Erfolg entscheidend, dass der Druck nachlässt, sobald die gewünschte Reaktion des Pferdes erfolgt. Das Nachlassen des Drucks ist für das Pferd die Belohnung. Belohnung nach einer erwünschten Reaktion, das kann auch Futter sein, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Pferd in der gleichen Situation wieder wie gewünscht verhält. Negative Konsequenzen, zum Beispiel kompletter Futterentzug bei bettelnden Pferden, vermindert die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Verhalten wiederholt.

Der Druck der angewandt wird, soll so gering wie möglich sein. Beim Führen des Pferdes und bei der Kontrolle des Pferdes vom Boden aus sollte am wenigsten Druck notwendig sein.

Es ist absolutes „Muss“ für den, der mit dem Pferd umgeht, nur die minimal mögliche Gewalt anzuwenden.

 

Ziel ist es, dass sich die Pferde in der Zukunft in der gewünschten Art verhalten.

Ein Pferd, das gelernt hat sich zu wehren, und das in seinem Verhalten dadurch bestärkt wurde, dass es ihm erlaubt wurde zu entkommen, wird dieses Verhalten  sehr wahrscheinlich auch in Zukunft zeigen.

Aggressive Pferde werden in ihrem Verhalten gewöhnlich dadurch bestärkt,  dass der Mensch durch ihre Drohungen und Angriffe die Bedrohung, die durch die Anwesenheit des Menschen besteht reduzieren.

 

Zu viel Zwang oder wenn es versäumt wird im richtigen Moment, dann wenn sich das Pferd wie gewünscht verhält, den Druck vom Pferd zu nehmen, kann genauso zu Problemen im Verhalten und damit zu Konflikten führen.

 

Die menschliche Stimme im Umgang mit Pferden

Pferde sind in der Lage einzelne Herdenmitglieder an ihren Lautäußerungen zu erkennen. Genau so sicher können sie die Stimme „ihres“ Menschen identifizieren.

Der Gebrauch der menschlichen Stimme bei der Erziehung der Erziehung des Pferdes wird von den einen unterschätzt, von anderen aber auch überbewertet. Pferde kommunizieren überwiegend durch Körpersprache. Sie reagieren also auf die Körpersprache und die Stimme des Ausbilders. Wenn die Signale an das Pferd, sowohl die Körpersignale, als auch die Stimme, immer in gleicher Weise erfolgen, so wird das Pferd beim Training immer sicherer und zuverlässiger in der gewünschten Weise reagieren. 

Spricht der Mensch mit dem Pferd, so kann die Stimme einen beruhigenden Einfluss auf das Pferd haben. Dies gilt vor allem dann, wenn es nur darum geht, dass sich das Pferd entspannen und beruhigen soll. Aber je mehr der Mensch spricht, umso schwieriger wird es für das Pferd, aus den vielen gesprochenen Worten Kommandos, auf die es reagieren soll herauszufiltern.  Je mehr gesprochen wird, desto weniger wahrscheinlich wird es das das Pferd auf ein gesprochenes Kommando prompt reagiert.

Der Umgang mit Pferden sollte daher von Geduld und Konsequenz geprägt sein: Geduld, um ihnen Selbstvertrauen zu vermitteln; Konsequenz, um ihnen Sicherheit im Umgang mit Menschen zu geben.

Besonders beim Umgang mit jungen Pferden ist Konstanz wichtig.

 

Pferde müssen sich anbinden lassen

Ob beim Putzen, ob beim Satteln oder der Hufpflege, es gibt viele Situationen, bei denen ein Pferd angebunden wird. Durch das Anbinden nimmt man Fluchttier Pferd die Möglichkeit sich unangenehmen Situationen zu entziehen.  

Pferde, die vor etwas fliehen wollen, aber am Kopf angebunden sind, kämpfen so lange, bis der Druck am Kopf verschwindet. Erwachsene Pferde entwickeln dabei solche Kräfte, dass entweder die Halfter oder die Stricke zerreisen, mit denen sie angebunden sind. Beim Reisen der Stricke können sich die Pferde überschlagen und schwer verletzen. Sind Halfter, Strick und Anbindevorrichtung  so stabil, dass nichts reißt, kann die Halswirbelsäule des Pferdes so gezerrt werden, dass die Pferde Ataxie zeigen. In der Literatur wird deshalb oft empfohlen zwischen Strick und Anbindevorrichtung eine dünnere Kordel anzubringen. Die Verletzungsgefahr wird dadurch sicher geringer, leider lernen durch das Nachgeben der Anbindung, dass man entkommen kann, wenn man nur stark genug zieht.

Es gibt so viele Situationen, bei denen ein Pferd angebunden werden muss, dass man es unbedingt daran gewöhnen muss.

Die Gewöhnung ist die einfachste Form des Lernens. Durch den wiederholt dargebotenen Reiz wird ein Nachlassen der Reaktion auf den Reiz erreicht. Das Pferd gewöhnt sich daran, für eine bestimmte Zeit angebunden zu sein ohne misst diesem Reiz keine besondere Bedeutung mehr zu.

Für den späteren Umgang mit dem Pferd zahlt es sich aus, wenn man schon das Fohlen frühzeitig daran gewöhnt ein Halfter zu tragen und dem Führstrick zu gehorchen. Hier hat der Mensch noch genug Kraft, den „ elastischen Anbindehaken „ zu spielen. Ich habe bei Fohlen die wegen schwerer Beinverletzungen oder Korrektur von Fehlstellungen der Beine intensiv behandelt werden mussten, oft erlebt, dass sich die Tiere sehr rasch an die Behandlungen gewöhnen. Ruhiges und konsequentes Arbeiten, und ein Tierhalter der mit Pferden umgehen kann, machen nur selten Zwangsmaßnahmen notwendig. Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass durch ein angebundenes Pferd erschrickt und bei dem Versuch sich loszureißen stürzt. Fohlenbeine sind dann durch die Wachstumsfuge besonders gefährdet.  Durch Fallmatten, das sind 5 cm dicke Gummimatten, wie sie auf Spielplätzen unter Kjnderschaukeln  gelegt werden, auf dem Pflegeplatz wird die Verletzungsgefahr deutlich gemindert.

Verletzungsgefahr für Pferd und Halter bestehen auch, wenn die Anbindebalken oder Pfosten nicht stabil genug sind. Bleiben dann noch Balkenteile am Strick hängen geraten die meisten Pferde in Panik.

Man sollte auch daran Denken, dass Pferde, an das Anbinden gewöhnt werden sollen versuchen können über den Anbindebalken zu springen.

Pferde sollten in Nasenhöhe angebunden werden. Der Strick sollte gerade lang genug sein, dass das Pferd den Kopf so bewegen kann, dass es auch Dinge sehen kann, die bei fixiertem Kopf im toten Bereich des Sehfeldes lägen. Der Strick muss so am Ring befestigt werden, dass er sich jederzeit schnell lösen lässt. Ein qualitativ hochwertiger Panikhaken, der sich nicht versehentlich öffnet bringt zusätzliche Sicherheit.

Auf gar keinen Fall sollte man Pferde dann anbinden, wenn schmerzhafte Manipulationen oder Behandlungen vorgenommen werden. Denn dann darf man sich nicht wundern, wenn die Pferde „angebunden sein“ mit Schmerz und Gefahr in Verbindung bringen und fliehen wollen. 

 

 

Pferde und Tierarzt

 

Vielen Pferdepraktikern wird ihre Arbeit von Pferden verleidet, die sich vor den tierärztlichen Verrichtungen fürchten und sich kaum anfassen lassen. Pferde haben ein ausgezeichnetes  Erinnerungsvermögen an schmerzhafte oder unangenehme Behandlungen, denen sie sich unterziehen mussten. Sie merken sich dabei die Gerüche, wie etwa Desinfektionsmittel, die bei jeder Injektion verwendet werden. In ihrem Gedächtnis speichern sie Äußerlichkeiten der unangenehmen Person, wie die Arbeitskittel, wie sie sich bewegt, was sie getan hat bevor es weht getan hat.  

Leider merken sie aber auch oft am Verhalten der Pferdebesitzer das etwas Unangenehmes bevorsteht. Die Nervosität und die Ängstlichkeit der Besitzer verursacht beim Pferd eine Alarmstimmung. Derart alarmierte  Pferde reagieren besonders heftig bis hin zur Hysterie und sind dann nicht behandelbar.

In Versuchen konnten mit einem synthetisch hergestellten Geruchsstoff  Pferde, die eine ungewohnte Aufgabe bewältigen mussten, also einer Stresssituation ausgesetzt wurden,  beruhigt werden. Gerüche spielen im Sozialverhalten der Pferde eine große Rolle. Frustrierte, ängstliche oder wütende Menschen scheiden mit ihrem Schweiß ebenfalls Pheromone aus. Es ist sehr wahrscheinlich dass die Pferde den emotionalen Zustand der Menschen, die mit ihnen arbeiten erkennen können.

Dies gilt natürlich auch für den Tierarzt. Stress, Hektik und Zeitmangel sind im Umgang mit Pferden absolute „Vertrauenskiller“.  Leider gibt es in der tierärztlichen  Praxis auch Notfälle, die auch für die beteiligten Menschen extremer Stress sind.

Es gehört auch zu den Aufgaben des Tierarztes im Umgang mit dem Tier das er untersuchen und behandeln soll kundig und vertraut zu sein. Er muss die Bedürfnisse und das Verhalten der Pferde so gut kennen, dass er abnormes Verhalten erkennt und die Ursachen für Verhaltensprobleme kennt.  

 

Auf der anderen Seite können Pferdebesitzer die Pferde vorbereiten, indem sie daran gewöhnt werden, dass sie überall angefasst werden. Auch typische tierärztliche Handlungen wie etwa das Messen der Temperatur, anlegen von Bandagen und vieles mehr können trainiert werden. Das Pferd gewöhnt sich an die Prozeduren und reagiert selbst unter Stress nicht mehr mit Abwehr darauf. Ich habe mehrfach erlebt, dass Pferde bei denen jede Manipulation ein lebensgefährliches Abenteuer war nach einem Besitzerwechsel plötzlich absolut umgänglich und kooperativ wurden. Zum Glück können erfahrene Pferdehalter auch Pferden mit schlechten Erfahrungen durch gute Erziehung gepaart mit guter Behandlung wieder Vertrauen in den Menschen geben. Die Arbeit solchen Pferden und Pferdehaltern macht Spaß und die daraus resultierende positive Grundstimmung wirkt sich auch auf das Verhältnis zwischen Pferd und Tierarzt aus.

 

Anders sieht das bei Pferdebesitzerinnen aus, die einen mit dem Satz empfangen „ Das Pferd mag keine Männer“ (wenn eine Tierärztin kommt heißt es dann „Das Pferd mag keine Tierärzte“) Übersetzt heißt das: Ich weiß, dass mein Pferd unerzogen und dadurch gefährlich ist, aber ich habe keine Lust das zu ändern, denn das ist ihr Problem. Und hoffentlich tut es sich nicht weh, wenn es sie tritt!   

Bei aller Liebe zum Pferd, Der Tierarzt kann nicht in einer Minute das gutmachen, was über Jahre hinweg versäumt wurde. Es ist Aufgabe des Tierarztes das Pferd nach bestem Wissen zu untersuchen und zu behandeln. Das Pferd so auszubilden, das es sich untersuchen lässt ist Sache des Halters.

Wer Pferde halten will muss das so tun, dass die Haltung den Bedürfnissen des Pferdes gerecht wird. Er muss wissen wie man mit Pferden so umgeht, dass sie keine Gefahr für andere Menschen und Pferdedarstellen. Das dazu notwendige Wissen und Können muss man sich aneignen bevor man mit der Pferdehaltung beginnt. Dazu gibt es keine Alternative.

 

Behandlungen auf der Weide

Die Natur des Pferdes ist es vor Gefahr zu fliehen. Dieses angeborene Verhalten macht es schwierig ängstliche Pferde oder Pferde, die einer Manipulation entziehen wollen auf der Weide zu behandeln. Im Sommer kommt dann noch die Beunruhigung durch Fliegen hinzu.

Es macht absolut keinen Sinn der Bequemlichkeit der Pferdhalter nachzugeben und für das Pferd unangenehme Untersuchungen oder Behandlungen auf der Weide zu versuchen. Solche Versuche können so ausarten, dass sie mehr einer Rodeodisziplin ähneln als einer angemessenen Behandlung. Bei der dann entstehenden Hektik und Unruhe  Gelegenheit kann das Pferd dann gleich lernen, dass es mit seiner Meinung, nämlich dass die Flucht vor einer Behandlung das beste Mittel sei, absolut Recht hatte. In Zukunft mag es dann keine Tierärzte mehr und lässt sich auf der Weide nicht mehr anfassen.  In einem ordentlichen Stall kann mit den notwendigen Hilfseinrichtungen viel sicherer und mit mehr Ruhe mit dem Pferd umgegangen werden.  Wenn nur irgendwie möglich sollte eine mit dem Pferd vertraute Person helfen.

Für die meisten tierärztlichen Untersuchungen ist ein zuverlässiger Helfer, der das Pferd am Halfter hält und es gegebenenfalls beruhigt und ablenkt ausreichend. Am stabilen Halfter sollte immer ein Strick angebracht sein, damit man auch wenn das Pferd den Kopf heftig hoch wirft und man das Halfter loslassen muss das Pferd noch am Strick hat und nicht vollständig die Kontrolle verliert.  Pferde sollten daran gewöhnt werden, dass sie von beiden Seiten geführt werden und an beiden Seiten des Halfters angebunden werden.

Pferde erkennen schon an der Körperhaltung und bestimmten Handlungen des Tierarztes was ihnen bevorsteht. Pferde geraten schon in Panik, wenn sie Spritzen sehen. Oft genügt es schon, wenn der Pferdehalter das Auge des Pferdes auf der Seite, auf der die Injektion gegeben werden soll, das Auge zuhält. Den Einstich der scharfen Injektionsnadel merken die Pferde dann oft gar nicht. Bei weniger „spritzenscheuen“ Pferden genügt das Aufziehen einer Hautfalte am Hals zur Ablenkung. Ein wenig Fellkraulen nach der tolerierten Injektion oder eine Möhre stimmen das Pferd positiv. Der Tierarztbesuch soll dem Pferd in möglicht guter Erinnerung bleiben. Dann klappt es auch beim nächsten mal.

Das Anlegen einer Nasenbremse um eine Injektion zu geben ist nur dann akzeptabel, wenn sonst eine sichere Injektion nicht möglich ist. Dies kann für die intravenöse Injektion eines Sedativum oder eines Medikamentes, das im Muskel oder unter der Haut zu starken Gewebereizungen führt, bei einem sehr unruhigen Pferd, notwendig werden. Die Nasenbremse macht auch beim Legen der Nasenschlundsonde Sinn. Durch Abwehrbewegungen beim Schieben der Sonde durch die Nasengänge kann zu extrem blutenden Verletzungen kommen.

 

Das Ausbinden der Hinterbeine mit der Blattlonge oder Schlagfesseln ist wegen der großen Verletzungsgefahr und der psychischen Belastung für die Pferde  in der Tierärztlichen Praxis kaum noch üblich. Die Untersuchung unter Sedierung ist sicherer und für das Pferd mit weniger Stress verbunden.

 

Bei Zahnbehandlungen und anderen tierärztlichen Arbeiten am Kopf des Pferdes kann bei ängstlichen oder widersetzlichen Pferden durch moderne Wirkstoffe wie etwa Detomidin das gefährliche Schlagen mit dem Kopf oder gar Steigen viel besser kontrolliert werden wie mit der Nasenbremse oder dem Steigergebiss.

Man geht in der tierärztlichen Praxis immer mehr dazu über anstelle von mechanischen Hilfsmitteln, die zu nicht voraussagbaren heftige Reaktionen des Pferdes führen können, Medikamente zu verwenden, die dem Pferd die Angst nehmen. Detomidin wirkt nicht nur angstlösend sondern auch sehr stark schmerzstillend und entspannend. Eine unangenehme, mit Schmerzen verbundene Handlung bleibt dem Pferd weniger unangenehm in Erinnerung.

 

Eine Untersuchung oder Behandlung kann nur so gut sein, wie es die Bedingungen zulassen. Je vertrauensvoller das Verhältnis zwischen Pferd und Mensch ist, desto besser und sicherer kann dem Pferd geholfen werden. Wenn ein Zahn gezogen werden muss oder eine Wunde genäht werden muss sendet kein Fernheiler mentale Wundklammern, di die wunde schmerzfrei verschließen, dann muss der Tierarzt an das Pferd. Dass dieser nicht für das Pferd zum feind wird, den mann nicht an sich heranlässt sondern abwehren muss hängt einmal vond er Arbeitsweise des Tierarztes selbst ab, Ganz wesentlich aber vom Pferdehalter. Gute Pferdehaltung und Erziehung gibt es noch nicht als Injektion.