BuiltWithNOF
Pferdesport

Ist Reiten Tierquälerei?

 

Gleich der Beginn der Weltreiterspiele in Aachen begann mit einem Missklang. Als erste Disziplin wurde das Distanzreiten ausgetragen. 179 Pferde gingen auf die 160 km lange Strecke. Die Veranstaltung stand unter keinem guten Stern. Dass die Zeitmessung ausfiel war bei einer Weltmeisterschaft schon schlimm genug, dass aber bei den Tierarztkontrollen, den Vetgates fast die Hälfte der Pferde wegen Gesundheitsproblemen aus dem Wettbewerb genommen werden mussten und ein Pferd nach dem Wettbewerb starb kam in der der Öffentlichkeit gar nicht gut an.

Als sich gar die „Bild-Zeitung“ sich der Sache annahm, flammte der Krieg der Meinungen in den Medien mit aller Härte auf. 

Der Europäische Tier-&Naturschutz e. V., mit 100 000 Mitgliedern angeblich einer der größten, wirft der Reiterin des gestorbenen Pferdes und ihrem Mann sogar kalkulierten Pferdemord vor. Distanzreiten wird als Tierquälerei bezeichnet, ohne wenn und aber. Aber auch der Springsport, Dressur und Vielseitigkeit bekommen ihr Fett ab. (Die Westernreitdisziplinen werden merkwürdigerweise gar nicht erwähnt?!)

In der aufgeheizten Atmosphäre der Chatrooms und hinter der Tarnkappe der Benutzernamen geht es richtig zur Sache. Ganz besonders eifrige Tierschützer bezeichnen Reiten grundsätzlich als Tierquälerei. Bei focus-online wurde etwa jeder dritte Kommentar zu dem Thema vom Moderator gestrichen. Der angegebene Grund: Hetze, Beleidigung.

In einem Staat mit über 80 Millionen Bürgern wird es zu keinem Thema eine einheitliche Meinung geben. Um aber miteinender Leben zu können muss ein Rahmen abgesteckt werden, der die Richtlinien des Umgangs miteinander regelt. Dieser Rahmen wird in ein Gesetz gefasst, das auch für die gültig ist, die ihre Meinung darin nicht ausreichend berücksichtigt sehen.

 

Der Rahmen für den Umgang und die Nutzung von Tieren steckt das geltende

Tierschutzgesetz ab. Der Gesetzgeber geht von der Realität aus, nämlich dass der Mensch zu unterschiedlichen Zwecken Tieren hält und nutzt.

„Die neuen Bestimmungen sind das Ergebnis sorgfältiger Abwägung zwischen dem Schutz der Tiere und den Ansprüchen des Menschen an die Tiernutzung. Es liegt in der Natur eines solchen Kompromisses, dass nicht alle Beteiligten und Betroffenen vollauf zufrieden sind, gerade bei einem so kontrovers diskutierten Thema wie dem Tierschutz.“ (Karl-Heinz Funke
Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Vorwort zum Tierschutzgesetz)

Welche Bestimmungen enthält das Tierschutzgesetz für das Reiten

Ein Verbot Pferde zu reiten gibt es nicht, sehr wohl aber Gebote und Verbote, die die reiterliche Nutzung betreffen.

§ 1 Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

§ 2 Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

  1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
  3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Pferdesport

§ 3.1

Es ist verboten einem Tier außer in Notfällen Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes offensichtlich nicht gewachsen ist oder die offensichtlich seine Kräfte übersteigen.

An einem einzigen Tag 160 km auf einem Pferd zurückzulegen übersteigt die Vorstellungskraft der meisten Normalbürger. Aber auch der durchschnittlichen Reiter kann sich kaum Vorstellen, dass Pferde in der Lage sind solche Leistungen zu erbringen ohne überfordert zu sein oder gar schwere gesundheitliche Schäden zu erleiden.

Das Tierschutzgesetz regelt ganz klar, dass nur Tiere an Sportveranstaltungen teilnehmen dürfen, die auf die geforderten Leistungen auch ausreichend vorbereitet sind. Turniere finden in der Öffentlichkeit statt und kein Reiter aber auch kein Veranstalter will das Objekt von Negativschlagzeilen sein.

Ich will mich im folgenden auf das Distanzreiten beschränken, weil ich mit dieser Sportart eigene Erfahrungen habe.

Jede Disziplin erfordert von den Pferden eine Art der Leistung, die eine besondere Vorbereitung erfordert. Distanzreiten ist eine Ausdauersportart, die im Spitzenbereich weit über das hinausgeht, was in der Natur ein Pferd leisten muss.

Die durchschnittliche Geschwindigkeit bei Distanzrennen  liegt weit unter der Maximalgeschwindigkeit der Pferde. Selbst im internationalen Spitzensport liegen die Geschwindigkeiten unter 20 km die Stunde. Dieses Tempo ist für die Beine sehr schonend, da es weit von der maximalen Belastbarkeit der Sehnen entfernt ist. Dass Pferderennen über Strecken von über 100 km für die Pferde zu tödlichen Überforderungen führen können weis man durch leidvolle Erfahrungen schon lange. Die Hauptrisiken beim Distanzreiten sind Muskelprobleme und Kreislaufprobleme. Die Kreislaufprobleme werden durch den enormen Flüssigkeitsverlust verursacht. Pferde können die enorme Wärme, die bei der Muskelarbeit entsteht nur durch Verdunsten von Schweiß nach außen ableiten. Gelingt die Wärmeableitung nicht, kann die Körpertemperatur auf über 43° C steigen und die Stoffwechselenzyme schädigen.  Bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit ist die Verdunstung unzureichend. Die Pferde müssen mit Wasser gekühlt werden.

Pro Stunde können Pferde bei schwerer Arbeit 10 bis 12 Liter Schweiß, der über 10 gr Elektrolyte pro Liter enthält, verlieren. Werden  Flüssigkeit und Elektrolyte nicht ergänzt kann es  zu lebensgefährlichen Kreislaufproblemen kommen.

Das Problem ist schon seit langem bekannt und hat zur Erstellung eines strengen Reglements geführt, das Kontrollen der Pferde vorsieht, die über das hinausgehen, was man  von anderen Pferdesportarten kennt. Nach dem geltenden Reglement der FEI für Distanzreiten  müssen bei einem Wettbewerb über 100 Meilen (160 km) mindestens 5 Kontrollen auf der Strecke sein. Mehr Kontrollen sind möglich. Die Kontrollen schützen die Pferde auch vor dem Ehrgeiz ihrer Reiter.   

Diese Kontrollen sind in Aachen durchgeführt worden. Dass so viele Pferde bei diesen Kontrollen aus dem Wettbewerb genommen wurden spricht für die Tierärzte. Trotzdem können die Kontrollen kein absoluter Schutz für die Pferde sein. Die 20 km, die das Pferd nach 140 km Ritt ohne Kontrolle bis ins Ziel noch zurücklegen muss, können eine lange Strecke sein. Gerade die letzten Kilometer bergen die Gefahr, dass ein ehrgeiziger Reiter noch das letzte aus einem Pferd herausholt. Die hohe Zahl der Ausfälle zeigt aber auch, dass ein 100 Meilen Rennen eine Anforderung an die Pferdestellt, die an die Grenzen des möglichen gehen – manchmal leider auch darüber.

Hier gibt es nur einen Schutz. Würden die Werte, die die Pferde nach 30 Minuten erreichen müssen verschärft werden, würde dies das Tempo und damit die Gefahr einer Überlastung des Kreislaufs deutlich senken. An die Regeneration der Pferde nach dem Zieleinlauf müssen höhere Anforderungen gestellt werden. Wenn der Reiter weis, dass er am Ziel wegen fehlender Regeneration nach 160 km Plagerei aus der Wertung genommen wird, wird er vorsichtiger reiten. Das nützt vor allem seinem Pferd.

Preisgeld

Als ich noch Distanzritte betreut habe, durfte der Preis für den Sieger maximal den doppelten Wert der Teilnahmegebühr betragen. Durch die Gelder, die vor allem aus Dubai kommen hat sich das Grundlegend geändert. Waren damals 320 DM die erlaubte Grenze waren bei der WM insgesamt 97 500 € Preisgelder inklusive Transportentschädigung ausgeschrieben.

Ist nun Distanzreiten Tierquälerei?

Wenn die Pferde gut trainiert sind, also auf die geforderte Leistung vorbereitet sind, können sie im Distanzsport viele Jahre lang erfolgreich sein. Entgegen der in der Pressemitteilung des ETN geäußerten Behauptung, dass tote Pferde im Distanzsport Alltag sind, habe ich in den vielen Jahren, in denen ich als Richter im Distanzsport tätig war, auf den Ritten, die ich betreut habe keinen einzigen Todesfall erlebt. Aber die Ritte sind schneller geworden und die Spitzen-Pferde werden, dank der Gelder der neuen Sponsoren rund um die Welt transportiert. Der Stress für die Pferde ist damit größer geworden. 

Das Risiko, das im Distanzsport, aber auch in den anderen Sportarten Pferde überfordert und damit gesundheitlich geschädigt werden, ist immer gegeben.

Auch wenn es zu einzelnen Todesfällen gekommen ist, sind dies seltene Ausnahmen, die aber noch seltener werden müssen.

Wozu braucht man überhaupt Pferdesport?

Der Pferdesport hat das Pferd gerettet. In 60 er Jahren erschien dem Landwirt ein Wunderding, das sein Leben entscheidend veränderte. Es war einfach zu halten, wenn es nicht gebraucht wurde brauchte es auch kein Futter und kaum Pflege. Eine Drehung am Schlüssel und es war betriebsbereit. Der Traktor verdrängte das Pferd rasend schnell aus der Landwirtschaft.

„Das Pferd muss bleiben“ lautete das Motte eines großen Turniers in Aachen. In einer Zeit, als ein Facharbeiter in vollem Lohnerwerb den Lebensstandard eines heutigen Sozialhilfeempfängers hatte (man nannte das damals Wirtschaftswunder, nicht wie heute Armut!), war Reiten noch kein Volkssport. Nur dem Pferdesport ist es zu verdanken, dass das Pferd im öffentlichen Bewusstsein blieb, und dass eine ausreichend große Basis für die Zucht von Reitpferden blieb.

Der Reitsport hat noch eine andere wichtige Funktion. Die Anforderung an die Pferde hat sich entscheidend gewandelt. War früher überwiegend Arbeit im Schritt auf geradem Weg gefordert, werden selbst vom Freizeitpferd höheres Tempo und vor allem beim Reiten in der Halle oder Reitplatz viel mehr engere Wendungen gefordert. Die Zuchtauswahl muss also so erfolgen, dass die Pferde diese Anforderungen erfüllen können, ohne Schaden zu erleiden. Eine Zuchtauslese auf Gesundheit ist nur möglich, wenn die Belastbarkeit der Pferde auch geprüft wird.

Die Zuchtauslese auf Äußerlichkeiten hat bei manchen Pferderassen zu katastrophalen Folgen für die Gesundheit der Pferde geführt.

Der Reitsport hat aber auch noch andere Auswirkungen auf die Gesundheit unserer Pferde. Die Pharmaindustrie investiert nur dort, wo auch Gewinne winken. Die wenigen Pferde sind im Vergleich zu dem riesigen Markt der landwirtschaftlichen Nutztiere kein lohnendes Geschäft.

Im Spitzensport erfolgreiche Pferde brauchen eine lange teure Ausbildung. Entsprechend teuer werden sie gehandelt. Die Eigentümer solcher Pferde sind natürlich auch bereit und vor allem in der Lage mehr Geld für die Gesunderhaltung ihrer Pferde auszugeben. Nicht staatlichen Fördermitteln, sondern wohlhabenden privaten Pferdebesitzern ist es zu Verdanken, dass heute auch modernste Diagnostikverfahren in der Pferdemedizin üblich sind. Auch wenn viele dieser Verfahren für den Pferdehalter, der führ sein Pferd auf vieles verzichten muss, unerschwinglich sind, so haben sie doch das Wissen über Pferdekrankheiten so verbessert, dass auch diese Pferde davon profitieren. Vor allem das Wissen über die Entstehung von Erkrankungen des Bewegungsapparates hat sich so verbessert, dass man heute, würde man das Wissen nur konsequent anwenden, sehr viele Krankheiten vermeiden könnte. Das kostet nichts als das ehrliche Bemühen der Pferdehalter um das entsprechende Wissen.

Aber man liest doch immer wieder von Skandalen im Pferdesport? Barren, scharfe Einreibungen am Kronsaum, abartige Beschläge bei Gangpferden sind nur einige Punkte, die in der Öffentlichkeit zu recht für Abscheu sorgten.

Der Gesetzgeber stellt diese Dinge unter Strafe.

Nach § 3.1a ist es verboten einem Tier, an dem Eingriffe und Behandlungen vorgenommen worden sind, die einen leistungsmindernden körperlichen Zustand verdecken, Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines körperlichen Zustandes nicht gewachsen ist. Auch ist es verboten im Training oder im Wettbewerb Maßnahmen anzuwenden, die für das Pferd mit erheblichen Leiden, Schmerzen oder Schäden verbunden sind. Die Beeinflussung der Leistungsfähigkeit durch Dopingmittel ist auch vom Tierschutzgesetz verboten!

Nach dem neuen Tierschutzgesetz dürfen Pferde, bei denen zum Beispiel ein Nervenschnitt zur Schmerzausschaltung durchgeführt wurde nicht mehr am Sport teilnehmen.  Leider wird es immer so bleiben, dass da wo es um Geld oder Prestige geht der Mensch versucht zu seinen Gunsten zu manipulieren. Der beste Schutz für die Pferde vor solchen Menschen sind häufigere Dopingkontrollen Kontrollen und eine kritische sensible Öffentlichkeit. Aber auch die Reitsportverbände und die Veranstalter von Turnieren spielen beim Schutz der Pferde eine wichtige Rolle. Die Gesetze und die Regeln der Sportverbände zum Schutz der Pferde sind gut, nur sie müssen auch umgesetzt werden.

Ich musste leider erleben, wie so mancher Reiter, der bei den tierärztlichen Untersuchungen auf Distanzritten nicht starten durfte oder aus der Wertung genommen wurde alles andere als einsichtig war. Besonders habe ich über Veranstalter „gefreut“, die tierärztliche Untersuchung der Pferde nur als Feigenblatt für den Tierschutz verstanden haben. Schließlich sind die Teilnehmer am Turnier, die für die Teilnahme ja auch Geld bezahlt haben (gemeint sind die Reiter, die Pferde zahlen ja nicht) zufrieden zu stellen. Sie sollen ja wiederkommen und Geld in die Kasse bringen.

Unter solchen Bedingungen werden dann auch die Richter massiv unter Druck gesetzt, das mit den Kontrollen, und die dienen dem Schutz der Pferde, nicht ganz so ernst zu nehmen. Wird dann trotzdem nicht im Sinne des Veranstalters gerichtet, tauscht man eben den Richter aus.

Distanzreiten besteht aber nicht nur aus 100 Meilen Rennen. Die meisten Reiter legen viel kürzere Strecken zurück. Und trotz aller Problem, die es immer geben wird, wenn Menschen Sport mit Pferden betreiben, sind auch auf kleinen Veranstaltungen die Gesundheitskontrollen besser als bei anderen Disziplinen. Satteldruck, Gurtdruck und Lahmheiten führen bei Distanzritten zum Ausschluss. Jeder vernünftige Teilnehmer an Distanzritten versucht diese Probleme zu vermeiden. Der Sattel eines Distanzpferdes muss so gut passen, dass auch nach mehrtägigen langen Ritten keine Probleme in der Sattel und der Gurtlage entstehen. Der Hufschutz muss so gut sein, dass er die natürliche Bewegung nicht stört. Wer aber mit optimalem Sattel und Hufschutz reitet, erleichtert seinem Pferd auch die tägliche Arbeit. Die Teilnahme am Distanzsport erzwingt nicht nur eine Optimierung der Ausrüstung sondern auch der Haltung. Ein Boxenpferd wird nie ein erfolgreiches Distanzpferd, weil ihm die vielen Kilometer „Naturtraining“ fehlen, die die frei lebenden Kollegen auf der Weide haben.

Wegen einzelner Auswüchse, die zu Recht angeprangert werden, gleich eine ganze Sportart als Tierquälerei zu brandmarken ist aber gerade im Distanzsport fehl am Platz. Für den Sport sprechen die vielen Pferde, die bis ins hohe Pferdealter am Sport teilnehmen und länger gesund bleiben, wie Pferde mit Bewegungsmangel.

Das Schlimmste was dem Tierschutz passieren kann ist, dass der Begriff missbraucht wird. Tierschutz ist ein Wort, das man gerne in den Mund nimmt. Nur was steht hinter diesem Begriff. Es stimmt etwas nicht, wenn der gleiche Begriff von den Gegnern und Befürwortern des Pferdesports für und gegen das Gleiche benutzt wird.

Dass Auswüchse des Pferdesports aber auch die im Freizeitbereich kritisiert und abgestellt werden ist richtig. Dass Reiten generell als Tierquälerei bezeichnet wird ist aber absurd und wirklichkeitsfremd. Der Begriff Tierschutz muss endlich genauer definiert werden. Das Tierschutzgesetz gibt ein Ziel vor, das vielen nicht weit genug geht. Wovor muss man ein Pferd schützen? Davor, dass es nass wird, vor anderen Pferden oder davor überhaupt zu existieren? Eine genaue Definition habe ich nirgendwo gefunden. Die beste Zielvorgabe, was den Tierschutz betrifft steht im Vorwort des Tierschutzgesetzes (der vollständige Text kann aus dem Internet heruntergeladen werden).

Wird ein Pferd von einem gut ausgebildeten Reiter entsprechend seinem Ausbildungs- und Trainingszustand mit passender Ausrüstung geritten, und stimmt auch die Relation zwischen Pferdegröße und dem Reitergewicht, dann kann ich nichts sehen, das dem Tierschutzgedanken widerspricht.

In der Tierärztlichen Praxis werden viel seltener mit Pferden vorgestellt, die durch das Reiten geschädigt worden sind, als Pferden, die durch andere Faktoren, die das Tierschutzgesetz erwähnt. Diese Gebote und Verbote scheinen leider nur den alllerwenigsten Tierschützern bekannt zu sein. Tierschutz beginnt aber wie so vieles mit Wissen. Was ist das Pferd für ein Tier, welche Fähigkeiten hat es, was braucht es um „Pferd sein zu können“. Es lohnt sich ausführlich darüber nachzudenken! Pferde kann man nur schützen, wenn man auch weis, was sie brauchen und was ihnen schadet.

Ist die Nutzung durch den Menschen für das Pferd nur schlecht? In der Natur muss das Pferd für seinen Lebensunterhalt selbst sorgen. Es unterliegt einem harten Selektionsdruck. Schon ein kranker Zahn kann die Überlebenschancen drastisch verschlechtern.

Der Mensch nutzt das Pferd nicht nur, sondern er sorgt auch für das Pferd. Es lebt sicher vor Beutegreifern, es hat selbst im Winter Futter. Wird es krank stehen zu seiner Behandlung Möglichkeiten bereit, von denen die Menschen in vielen Ländern nur traümen können. Viele Krankheiten, die in der Natur tödlich sind, sind für die moderne Tiermedizin kein Problem mehr. Und trotz aller Fehler in der Haltung wird das Pferd älter als in der Freiheit.

Nicht nur der Mensch profitiert vom Pferd, sondern das Pferd profitiert auch vom Menschen. Eine solche Lebensgemeinschaft, bei der beide Seiten vom Zusammenleben Vorteile haben, nenn man Symbiose.

 

Bildtexte

Arbeitspferd

Türkei (221)

Vor allem in ärmeren Ländern müssen Pferde noch den kargen Lebensunterhalt ihrer Besitzer erarbeiten. Von der perfekten Ausrüstung und der Versorgung unserer Sportpferde können diese Pferde nur träumen!