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Impfungen

Impfpflicht

 

Auf Turnieren treffen sich Pferde aus unterschiedlichen Ställen. Der Transport zum Turnier, die fremde Umgebung, aber auch die sportliche Belastung selbst stellen für das Pferd eine Stresssituation dar, die das Immunsystem belastet.

Viele Pferde aus unterschiedlichen Beständen in einer Stresssituation, untergebraucht auf engem Raum erhöhen das Risiko, dass sich unter den Pferden auch Tieren befinden, die Influenzaviren ausscheiden   Es besteht die Gefahr, dass sich Pferde auf dem Turnier infizieren und die Seuche in den heimatlichen Stall tragen

Der Beginn der Turniersaison war bis Ende der 90 er Jahre immer auch der Beginn der Ausbreitung der Influenza. Viele Turniere mussten wegen der hochinfektiösen Erkrankung abgesagt werden.

 

Gegen die wichtigste infektiöse Erkrankung der Atemwege, die equine Influenza, ist die aktive Immunisierung möglich. So war es nur folgerichtig, dass die 1998 in Kraft getretene neue Leistungs- und Prüfungsordnung (LPO)  die Influenza Impfung der Turnierpferde vorgeschrieben wurde.

 

Seit der Einführung der Impfpflicht sind Influenza Endemien selten geworden. Die Impfpflicht hat sich seit ihrer Einführung bewährt. Dies könnte Grund zur allgemeinen Zufriedenheit sein.

Doch der Teufel steckt im Detail. In 5.4.2 der Durchführungsbestimmungen der LPO ist geregelt, wie ein Pferd geimpft sein muss, um eine Startberechtigung zu erhalten.

Einem Sportverband steht es zu für die Turniere, die er ausrichtet eigene Regeln aufzustellen. Eine Impfung unterliegt aber den in der Medizin üblichen Richtlinien.

Bei der Einführung der Impflicht 1998 war gegen die vorgeschriebenen Impfintervalle von 6 Monaten nichts einzuwenden. Die damals zur Verfügung stehenden Impfstoffe erzeugten, auch wenn sie aktuell waren,  keine lokale Immunität. Der Impfschutz war nicht völlig befriedigend. 

Die Entwicklung der Impfstoffe ist 1998 aber nicht stehen geblieben. ISCOM- und Rekombinantenimpfstoffe führen auch zu einer lokalen Immunität der Schleimhäute. Die Virusausscheidung wird reduziert, die Immunität besteht länger als bei den inaktivierten Impfstoffen der letzten Generation.

Reiter sind heute dank Internet und der Presse über solche Entwicklungen sehr gut informiert. Sie kennen auch die vom Hersteller angegebenen Impfintervalle.

Für mich als praktischen Tierarzt bleibt dann als Antwort auf die Frage, warum die Pferde schon nach 6 Monaten geimpft werden müssen, wenn die tatsächliche Immunität, die durch die Impfung erreicht wird mindestens doppelt so lang belastbar ist, nur die Antwort: weil es die FN so fordert.

Welchen Grund gibt es, ein Pferd, das nach Angaben des Herstellers bei einem Infektionsdruck, wie er auf Turnieren, wo doch alle Pferde gegen Influenza geimpft sind eigentlich nicht auftreten kann, auch nach 18 Monaten noch vor einer Infektion geschützt ist alle 6 Monate zu impfen?

Die Antwort: „Weil es von der FN so vorgeschrieben ist, überzeugt Impfskeptiker nicht wirklich.

Ganz problematisch wird für mich als Tierarzt die Situation, wenn Pferde nicht starten dürfen, weil die letzten zwei Impfungen nicht in einem Abstand von weniger 9 Monaten durchgeführt wurden.

Auch wenn die letzte Impfung noch keine 6 Monate zurückliegt darf ein Pferd, das peinlich genau nach den Vorschriften des Impfstoffherstellers geimpft wurde, also einen belastbaren Impfschutz hat, nicht an Turnieren  teilnehmen ,wenn die vorletzte Impfung, wie vom Hersteller vorgeschrieben im Jahresintervall durchgeführt wurde. Mehr noch, um eine Starterlaubnis zu erhalten muss es sogar neu grundimmunisiert werden um ein! Das erklären sie einmal dem Pferdebesitzer.

Aber auch ich habe als Tierarzt Probleme mit dieser Reglung. Welchen medizinischen Grund gibt es, bei einem voll immunisierten Pferd eine nochmalige Grundimmunisierung durchzuführen? Hat die FN Hinweise darauf oder gar Beweise dafür, dass die Angaben der Hersteller falsch sind und die Immunität bereits dann, wenn nach korrekter Grundimmunisierung der Impfabstand bei für einjähriges Impfintervall zugelassenen Influenzaimpfstoffen auch nur ein einziges mal über 9 Monate liegt, so weit verloren geht, dass eine erneute Grundimmunisierung Notwendig wird?

Wenn ja müssen die Hersteller gezwungen werden ihre Angaben zu ändern.

Besitzt das Pferd aber noch eine belastbare Immunität gibt es keine medizinische Indikation für eine nochmalige Grundimmunisierung. Die Indikation ist aber die Voraussetzung dafür, dass ich das überhaupt darf!  

Eine medizinische Indikation kann ich auch für die Verkürzung der Impfintervalle nicht sehen, denn die Hersteller der Impfstoffe der neuesten Generation geben im Beipackzettel nicht an, dass bei gehäuftem Kontakt mit anderen Pferden, Turniere, Messen, Wanderritte, zusätzlich geimpft werden muss.

Darf ich als Tierarzt ohne Indikation eine zusätzliche Impfung durchführen?

 

Die Pflichtimpfung der Turnierpferde gegen Influenza ist ohne Frage sinnvoll und weitgehend akzeptiert. Diese Akzeptanz kann aber nur erhalten werden,  wenn nicht stur auf einer einmal festgelegten Regelung bestanden wird, sondern die Regelung and den aktuellen Stand der Impfstoffentwicklung angepasst wird

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